Persönlich investieren statt anonym streuen: Warum Unternehmer wieder auf Direktbeteiligungen setzen

In einer Zeit, in der der Zugang zu Finanzprodukten so einfach ist wie nie zuvor, treffen immer mehr vermögende Privatpersonen eine überraschend klassische Entscheidung: Sie investieren wieder direkt in Unternehmen – statt ihr Kapital breit gestreut über Fonds oder anonyme Strukturen zu verteilen. Was früher als risikoreich galt, hat für viele heute einen ganz anderen Reiz: Nähe, Einfluss, Identifikation.

Arti Qelaj kennt beide Seiten. Er hat über Jahre hinweg Fonds beobachtet, Mandate verwaltet und zugleich immer wieder direkt in Unternehmen investiert. Seine Erfahrung zeigt: In der Schweiz – besonders im gehobenen Unternehmerumfeld – wächst das Interesse an klaren, nachvollziehbaren Beteiligungen. Und das hat gute Gründe.

Erstens: Die Transparenz. Wer sich direkt an einem Unternehmen beteiligt, sieht, worin er investiert. Kein verschachteltes Produkt, kein verwässertes Reporting, keine weiten Wege bis zur Entscheidung. Stattdessen echte Gespräche mit Gründerinnen und Gründern, Einblick in operative Prozesse, reale Wirkung des eigenen Engagements. Für viele Investoren ist das heute mehr wert als jede Benchmark.

Zweitens: Die Sinnfrage. Immer mehr Anleger wollen nicht nur eine Rendite, sondern einen Beitrag leisten – sei es zur Innovationskraft, zur Nachhaltigkeit oder zur regionalen Wertschöpfung. Venture Capital und Private Equity, wenn sie richtig gelebt werden, bieten genau das: die Möglichkeit, nicht einfach zuzusehen, sondern mitzugestalten.

„Es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn man ein Team kennt, an das man glaubt – und nicht nur eine WKN im Depot hat“, sagt Arti Qelaj. Diese emotionale Komponente wird oft unterschätzt, dabei beeinflusst sie die Investmentzufriedenheit nachhaltig. Wer seine Beteiligungen versteht, kann auch in turbulenten Phasen ruhig bleiben. Wer hingegen nur anonyme Risikoverteilung betreibt, verliert schnell die Bindung – und damit auch das Vertrauen.

Drittens: Der unternehmerische Reiz. Viele Direktinvestoren sind selbst Unternehmer oder haben unternehmerische Erfahrung. Sie denken nicht nur in Quartalen, sondern in Geschäftsmodellen, in Menschen, in Entwicklungspotenzial. Ein gut strukturiertes Direktinvestment kann dabei mehr sein als ein reines Kapitalengagement – es wird zur Partnerschaft.

In der Schweiz ist dieser Trend besonders ausgeprägt. Das liegt auch an der Marktkultur: Viele Investoren haben eine familiäre, bodenständige Herangehensweise an Kapitalanlagen. Sie möchten verstehen, mit wem sie es zu tun haben. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen profitieren davon – sie erhalten Kapital, das nicht auf schnellen Exit getrimmt ist, sondern mitträgt, mitdenkt und mitwächst.

Natürlich birgt Direktbeteiligung auch Risiken. Es gibt keinen Puffer, keine breite Risikostreuung, keinen Verwalter, der vorgibt, alles im Griff zu haben. Aber genau das macht die Sache ehrlich. Wer sich mit einem Geschäftsmodell befasst, eine Due Diligence durchführt, das Gründerteam kennt und die Rahmenbedingungen versteht, geht eine bewusste Entscheidung ein.

Arti Qelaj betont, wie entscheidend die Vorbereitung dabei ist. Direktbeteiligungen funktionieren dann, wenn sie professionell strukturiert sind. Dazu gehört eine klare Rollenverteilung zwischen Investor und Unternehmer, ein realistisches Reporting, ein funktionierender Kommunikationskanal – und vor allem: gegenseitiger Respekt.

Denn nicht jeder Investor eignet sich für jede Beteiligung. Wer zu stark mitreden will, kann operativ zur Last werden. Umgekehrt sind Gründer, die keine Transparenz wollen, für ein aktives Investorenumfeld kaum tragbar. Deshalb gilt: Wer direkt investieren will, muss nicht nur Kapital, sondern auch Haltung mitbringen.

2025 ist ein Jahr, in dem sich viele fragen: Wohin mit dem Geld – und warum? Klassische Anlageformen bieten kaum Rendite, Märkte sind volatil, Vertrauen in grosse Strukturen ist vielerorts erschüttert. Direktinvestitionen bieten keine Garantie – aber sie bieten Nähe, Einfluss und im besten Fall Sinn.

Für Arti Qelaj ist klar: Direktbeteiligungen sind nicht für jeden die richtige Lösung. Aber sie passen zu Menschen, die mehr wollen als nur Rendite. Menschen, die mitdenken, mittragen und bereit sind, ihre Erfahrung einzubringen. Nicht als Kontrolle, sondern als Unterstützung.

Private Equity und Venture Capital in der Schweiz leben heute genau von diesem Gedanken. Es geht nicht nur ums Kapital. Es geht darum, wer mit wem arbeitet – und warum. Wenn das passt, entsteht oft mehr als eine Beteiligung: Es entsteht ein gemeinsames Projekt mit langfristigem Wert.